Gelungener Distanzunterricht – Geht nicht? Geht doch!

Es ist 07:55 Uhr. Der digitale Unterricht an der Tilly-Realschule beginnt gleich. Heute besuche ich eine 5. Klasse. Noch wissen die Schülerinnen und Schüler nicht, dass ich gleich ihr Gast sein darf. Ich trete der Video-Konferenz bei und vernehme aufgeregte Stimmen, sehe freudige Gesichter und höre ein herzliches „Guten Morgen“.

Schnell kommen wir ins Gespräch. Ich möchte wissen, wie es den Jüngsten der Schulfamilie im Distanzunterricht geht und, wie sie mit dem digitalen Unterricht per Video-Konferenz zurechtkommen. Per digitalem Handzeichen sehe ich die ersten Wortmeldungen. „Mir geht es gut. Mein Wecker klingelt um 07:00 Uhr. Eine Stunde später als sonst. Und ich muss nicht mit dem vollen Bus in die Schule fahren.“ Ein anderer Schüler ergänzt: „Es ist toll. Wir haben Unterricht laut Stundenplan wie in der Schule. Wenn ich eine Aufgabe nicht verstehe, dann können wir unserer Lehrer fragen. Sie sind ja die ganze Zeit bei uns.“

In den oberen Jahrgangsstufen arbeiten die Schüler in digitalen Räumen in verschiedenen Gruppen zusammen, um Präsentationen zu erarbeiten oder im Team Aufgaben zu lösen. Soziale Kontakte, wenn auch nur digitaler Art, werden wieder möglich, machen glücklich und geben Hoffnung. „Wir haben gelernt, eigenverantwortlich, konzentriert zu arbeiten und genau zuzuhören. Denn, wenn ich nicht zugehört habe, bin ich raus. Ich habe ja keinen direkten Nachbarn, den ich mal schnell fragen kann, auf welcher Seite wir gerade sind“, berichtet ein 9. Klässler.

Ich bin beeindruckt von der Gewissenhaftigkeit und der Freude, mit der die Schüler bei der Sache sind. Hut ab! Und das nicht nur in einer so, sondern in all unseren Klassen, die ich besucht habe.

Und auch die Eltern sind überglücklich. Im Gespräch mit einer Mutter wird eines ganz deutlich: „Ich hätte nie gedacht, dass ein kompletter Unterricht so möglich ist. Die Kinder haben einen strukturierten Schulalltag. Erklärungen gibt der Lehrer. Sie helfen mir sogar, wenn ich ein technisches Problem habe. Wir können ungestört im Home-Office arbeiten. Das ist eine große Entlastung. Und am Nachmittag bekommen die GTS-Kinder Unterstützung bei den Hausaufgaben.“ Dies sind nur einige der positiven Rückmeldungen, die unsere Lehrkräfte am digitalen Elternsprechtag, per Mail oder per digitalem Anruf erhalten haben.

Wir freuen uns, dass unser Konzept aufgegangen ist. Es hat sich bezahlt gemacht, dass unsere Schülerinnen und Schüler bereits ab der 6. Klasse mit einem iPad und digitalen Lehrbüchern arbeiten. Wir haben noch im Präsenzunterricht mit der Vorbereitung auf das digitale Lernen mit MS Teams begonnen. Lehrer wie Schüler wurden im Umgang mit MS Teams geschult, den Eltern Anleitungen für die Installation auf unterschiedlichen Endgeräten zur Verfügung gestellt, unsere Lehrkräfte mit iPads ausgestattet und eine telefonische Sprechstunde eingerichtet, um bei technischen Fragen zu helfen.

Und wenn dann doch mal Schwierigkeiten auftreten, hat mir ein Fünftklässler verraten, wie Generationen übergreifendes Lernen im digitalen Zeitalter funktioniert: „Papa hat es nicht gleich verstanden. Macht nichts. Ich habe ihm geholfen.“


Ein Distanzunterricht kann zwar den Präsenzunterricht nicht ersetzen. Aber ein guter Distanzunterricht kann zumindest die zweitbeste Alternative für unsere Schülerinnen und Schüler sein.





Neuigkeiten